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Spätlese - Musik aus dem Zeitalter der Empfindsamkeit

Andreas Lidl (? - ca. 1789)
Sonata prima in D: Moderato - Andante - Tempo di Minuetto

Carl Philip Emanuel Bach (1714 - 1788)
Sonata in C, Wq. 136: Andante - Allegretto - Arioso

Christoph Schaffrath, (1709 - 1763)
Sonata in G: Allegro - Largo - Allegro

Karl Friedrich Abel
Sonata in G: Adagio - Allegro - Allegro ma non presto

Andreas Lidl
Sonata sesta in g: Moderato - Andante - Rondeau

Ekkehard Weber, Viola da Gamba
Paul Simmonds, Cembalo/Hammerflügel

 

 

Früheste bekannte Daten über Andreas Lidl: 1769 - 1774 Anstellung als Barytonspieler bei Nicolaus Esterházy, in der Zeit angeblich Schüler J. Haydns. 1775 Paris, danach Deutschland, ab 1776 England, wurde in London ansässig. 1784 konzertierte er noch in Berlin, danach keine Nachrichten mehr. Laut Charles Burney "bester Gambist nach Abel" (General History of Music).

Carl Philip Emanuel Bach, zweiter Sohn Bachs mit dessen erster Gattin Maria Barbara, Patensohn von Telemann, Extern-Schüler der Thomasschule. Nach eigenem Bekunden hat er "in der Composition und im Clavierspielen nie einen anderen Lehrmeister gehabt als meinen Vater". Sein bedeutendster Schüler seinerseits war sein Bruder Johann Christian, vor dessen Mailänder Zeit. Seit 1741 war er "Kammercembalist" am Berliner Hof, vorher in der Ruppiner Kapelle des Kronprinzen. Er berichtet einerseits mit Stolz, das erste Flötensolo des neuen Königs Friedrich II. am Cembalo begleitet zu haben, litt andererseits aber sehr darunter, dass sein Talent von diesem offenbar nicht erkannt und gewürdigt wurde.

Eigentliche geistige Nahrung fand er im Kontakt mit dem literarischen Berlin, z.B. mit Lessing (dem Erfinder des Wortes "Empfindsamkeit"), aber auch im Musiksalon des Bankiers Isaak Daniel Itzig (aus dieser Familie stammte seine und seines Bruders Wilhelm Friedemanns Gönnerin Sarah Levy, die Großtante Felix Mendelssohn-Bartholdys).

Ein zweiter anregender Kreis bildete sich um Anna Amalia von Preußen, die C.P.E. zu ihrem Kapellmeister machte.

Er bewarb sich öfter von Berlin weg, das wechselnde Glück des siebenjährigen Kriegs und dessen wirtschaftlichen Folgen wirkten sich ungünstig auf die Berliner Hofmusik aus.

1767 wurde er nach dem Tod seines Patenonkels Georg Philipp Telemann dessen Nachfolger in Hamburg, gewann die Bewerbung gegen seinen jüngeren Bruder Johann Christoph Friedrich (Bückeburger Bach). Auch hier gab es wieder wichtige Kontakte zu Literaten (Klopstock, Gerstenberg, Claudius, Voß, auch Diderot). C.P.E. immt eine Mittlerstellung ein zwischen der Welt seines Vaters und der Wiener Klassik, der er sich durch regen Kontakt mit Baron van Swieten bekannt machen konnte.

 

Karl Friedrich Abel galt lange als persönlicher Schüler J.S. Bachs an der Thomaschule in Leipzig, sein Name ist dort aber nicht nachweisbar. Als letzter europäisch anerkannter Gambist wird er wohl Schüler seines Vaters (Cellist und Gambist der Köthener Hofkapelle) gewesen sein.

Abel trat 1748 als Gambist in die Dresdner Hofkapelle unter Hasse ein, verließ Dresden 1758, vertrieben durch den 7-jährigen Krieg (nicht wegen Auseinandersetzungen mit Hasse, wie die Gerüchteküche wissen ließ; Hasse war schon früher nach Italien zurückgekehrt).

Er kam auf Umwegen 1759 nach London, wo er augenblicklich Aufsehen erregte. 1762 ließ sich Johann Christian Bach in London nieder, die beiden Deutschen hoben 1764/65 die Bach-Abel-Konzerte aus der Taufe. Dem Unternehmen war bis 1782 großer Erfolg beschieden, der jedoch nach Bachs Tod rapide zurück ging. Immerhin errichteten sie einen eigenen Konzertsaal am Hanover Square.

Abel war eng befreundet mit Gainsborough, war auch Gast in Goethes Vaterhaus, wenn er in Deutschland war, seinen Bruder Leopold August zu besuchen (das wissen wir aus "Dichtung und Wahrheit").

Er war zeitlebens ein "starker Zecher" und konzertierte oft unter dem Einfluss des Alkohols. Diese im Alter zunehmende Trunksucht mag mehr als die Enttäuschung über seinen schwindenden Erfolg seinen Tod beschleunigt haben. Abel galt im London seiner Tage als letzter großer Virtuose der Viola da gamba (die schon Charles Burney als altmodisch empfand), besonders gerühmt wurde er für seine empfindsamen Adagios.

 

Über Christoph Schaffraths Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt, er betritt die Bühne Mitte 1733 mit einer Bewerbung um die vakante Organistenstelle der Dresdener Sophienkirche. Hier wird ihm allerdings Wilhelm Friedemann Bach vorgezogen. Ein Jahr später ist er Mitglied der Ruppiner Kapelle des preußischen Kronprinzen und wird mit dessen Regierungsantritt 1740 in die Berliner Hofkapelle übernommen. Offenbar wird er dort schon 1741 durch die Anstellung C.P.E. Bachs abgedrängt auf den Posten als Cembalist und Kammermusiker der Prinzessin Amalie. Er ist einer der begabtesten und phantasievollsten Komponisten des Berliner Kreises um C.P.E., wenngleich zuweilen konventioneller als dieser. Seine Sonaten verleugnen die strenge kontrapunktische Schulung nicht und können so dem "erschreckenden Niveauschwund noch etwas Einhalt gebieten" (so der Musikwissenschaftler Hoffmann-Erbrecht). Ernst Ludwig Gerber nennt ihn "einen unserer würdigsten Contrapunktisten".